Polizei und Justiz in Großbritannien bestätigen Datenpanne
Die Police National Legal Database (PNLD), eine von den Polizeikräften in England und Wales genutzte Rechtsdatenbank, wurde Opfer eines Cyberangriffs. Namen und E-Mail-Adressen von Polizeibeamten, Mitarbeitern und Justizangestellten wurden im Dark Web veröffentlicht. Die National Crime Agency hat eine Untersuchung eingeleitet.
Was ist passiert
Die Police National Legal Database (PNLD), ein kritisches juristisches Nachschlagewerk, das von allen 43 Polizeibehörden des Innenministeriums in England und Wales genutzt wird, hat eine erhebliche Datenpanne bestätigt. Laut einer offiziellen Mitteilung haben Cyberangreifer die aus dem System entwendeten Daten im Dark Web veröffentlicht. Die Panne betraf nicht nur die Polizei, sondern auch "Ask the Police", einen öffentlichen Frage-und-Antwort-Dienst, der auf derselben PNLD-Plattform gehostet wird. Angesichts der Schwere des Vorfalls hat die führende britische Einheit zur Bekämpfung von Cyberkriminalität, die National Crime Agency (NCA), eine umfassende Untersuchung eingeleitet.
Die PNLD ist eine zentrale Ressource, über die Polizeibeamte und Justizpersonal auf aktuelle Informationen zu rechtlichen Verfahren, Gesetzen und bewährten Praktiken zugreifen. Ein Angriff auf dieses System stellt einen direkten Angriff auf die operative Infrastruktur der Strafverfolgungsbehörden dar. Es bestehen Bedenken, dass die Panne einen Kaskadeneffekt auf die interne Kommunikation und die Personalsicherheit haben könnte. Die Untersuchung ist vielschichtig und wird neben der NCA auch von privaten Cybersicherheitsfirmen durchgeführt.
Welche Daten wurden gestohlen
Laut der von der PNLD veröffentlichten Benachrichtigung über die Datenpanne gehören die durchgesickerten Informationen zu einer hochsensiblen Personengruppe. Die kompromittierten Daten umfassen die vollständigen Namen, die zugehörigen Organisationen und die dienstlichen E-Mail-Adressen von Polizeibeamten, Mitarbeitern, Fachleuten aus dem Strafjustizwesen, Regierungspartnern und anderen institutionellen Kunden. Obwohl diese Informationen allein möglicherweise keinen direkten finanziellen Wert haben, sind sie für Cyberkriminelle äußerst wertvoll. Sie dienen als primäres Material für die Erstellung ausgeklügelter Phishing-Angriffe.
Die Organisation betonte, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass Passwörter oder andere Sicherheitsanmeldeinformationen kompromittiert wurden. Allerdings ermöglicht selbst die Kombination aus Name und dienstlicher E-Mail-Adresse Angreifern, äußerst überzeugende und gezielte gefälschte E-Mails zu erstellen. Die Veröffentlichung dieser Daten im Dark Web bedeutet, dass sie nun von verschiedenen kriminellen Gruppen gekauft und missbraucht werden können. Der volle Umfang des Lecks wurde nicht bekannt gegeben. Obwohl der Jahresbericht 2025-26 der PNLD 108.429 Polizeiregistrierungen auswies, wurde die genaue Anzahl der von der Panne betroffenen Personen nicht offiziell mitgeteilt.
Wie ist der Angriff abgelaufen
Die PNLD hat keine offizielle Zuordnung zur Gruppe hinter dem Angriff oder zu dessen technischen Details gemacht. Der Zeitpunkt des Vorfalls und Analysen aus der Cybersicherheits-Community geben jedoch einige Hinweise. Eine Erpressergruppe namens ExfilSquad listete die PNLD am 26. Juli auf ihrer Leak-Seite, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass diese Gruppe für den Angriff verantwortlich ist.
Die Cybersicherheitsfirma VenariX überprüfte Datenproben von 11 der 15 von ExfilSquad behaupteten Opfer. Ihre Analyse ergab bei allen Proben Strukturen, die mit Microsoft Dataverse übereinstimmen. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass die Angriffe wahrscheinlich Teil einer größeren Kampagne sind, die auf falsch konfigurierte Microsoft Power Pages-Portale abzielt. Power Pages ist eine Plattform, die es Organisationen ermöglicht, öffentlich zugängliche Websites zu erstellen. Wenn die Zugriffsberechtigungen für Tabellen auf diesen Portalen zu locker eingestellt sind, kann jeder, der die Seite besucht, auch ohne Anmeldung auf sensible Daten zugreifen.
Diese Theorie deckt sich mit der technologischen Infrastruktur der PNLD. Im Jahresbericht 2023-24 der Organisation wurde angegeben, dass die Datenbank die Microsoft Power Platform-Technologie verwendet. Darüber hinaus verweist die Benachrichtigungsseite der PNLD zur Datenpanne auf Ressourcen in der Domain content.powerapps.com von Microsoft, was diese Verbindung bestätigt. Dennoch haben weder die PNLD noch VenariX endgültig bestätigt, dass diese spezifische Schwachstelle auf einem PNLD-Endpunkt ausgenutzt wurde. Während die Untersuchung andauert, wird angenommen, dass der Angriff wahrscheinlich auf einen einfachen Konfigurationsfehler und nicht auf eine komplexe Hacking-Operation zurückzuführen ist.
Wer ist betroffen
Diese Datenpanne birgt für zwei Hauptgruppen ein direktes Risiko:
- Polizeibeamte und Fachleute im Strafjustizwesen: Für diese Personen besteht die größte Gefahr in gezielten Spear-Phishing-Angriffen. Angreifer können die gestohlenen Namen, Organisationen und E-Mail-Adressen verwenden, um äußerst überzeugende gefälschte E-Mails zu verfassen. Beispielsweise könnte eine E-Mail, die sich als Nachricht eines Vorgesetzten oder einer anderen Regierungsbehörde ausgibt, sensible Informationen anfordern oder den Empfänger dazu verleiten, auf einen bösartigen Anhang zu klicken. Ein erfolgreicher Angriff dieser Art könnte zu einem tieferen Eindringen in die Polizeinetzwerke führen und weitaus größere Sicherheitskatastrophen zur Folge haben.
- Bürger, die den Dienst "Ask the Police" genutzt haben: Diese Plattform ist ein öffentlicher Dienst, der es Bürgern ermöglicht, der Polizei Fragen zu verschiedenen Themen zu stellen. Das Leck von Namen und E-Mail-Adressen von Personen, die diesen Dienst genutzt haben, bedeutet, dass ihr Kontakt zur Polizei in kriminellen Foren offengelegt wurde. Je nach Art ihrer Frage könnte dies für die Betroffenen über eine reine Datenschutzverletzung hinaus zu ernsten Risiken wie Erpressung, Belästigung oder sozialer Stigmatisierung führen.
Was Sie tun können
Wenn Sie glauben, von dieser Panne betroffen zu sein, oder Ihre digitale Sicherheit im Allgemeinen verbessern möchten, gibt es einige Schritte, die Sie unternehmen können. Mitarbeiter der betroffenen Organisationen müssen jetzt wachsamer sein als je zuvor. Überprüfen Sie sorgfältig die Absenderadresse eingehender E-Mails, klicken Sie nicht auf Links und öffnen Sie keine Anhänge in unerwarteten oder verdächtig aussehenden Nachrichten. Im Zweifelsfall überprüfen Sie die Anfrage über einen anderen Kommunikationskanal (z. B. per Telefon). Die Nutzung einer Datenleck Suche, um zu sehen, in welche anderen Vorfälle Ihre persönlichen Daten möglicherweise verwickelt waren, kann Ihnen einen Überblick über Ihre allgemeine digitale Sicherheitslage geben. Bürger sollten auf verdächtige E-Mails oder Erpressungsversuche achten, die mit diesem Leck in Verbindung stehen könnten.
Was das Unternehmen sagt
In ihrer offiziellen Mitteilung bemühte sich die PNLD um eine transparente Darstellung der Situation. In der Benachrichtigung hieß es, dass "Informationen, einschließlich der Namen, Organisationen und dienstlichen E-Mail-Adressen von Polizeibeamten, Mitarbeitern und anderen Fachleuten des Strafjustizwesens, Regierungspartnern und Kunden kompromittiert und im Dark Web veröffentlicht wurden." Es wurde betont, dass es keine Hinweise auf die Kompromittierung von Passwörtern oder anderen Sicherheitsanmeldeinformationen gibt.
Darüber hinaus wurde versucht, die Öffentlichkeit zu beruhigen, indem klargestellt wurde, dass das System kein System zur Verbrechensaufzeichnung ist und keine vertraulichen Informationen über Opfer, Zeugen oder Straftäter enthält. Die PNLD gab bekannt, dass alle betroffenen Organisationen umgehend benachrichtigt und mit Anleitungen versorgt wurden und der Vorfall dem britischen Information Commissioner's Office (ICO) gemeldet wurde.
Quelle
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